Spurensucher*innenvor der Kamera

 

Seit 2011 nehmen Rochlitzer Jugendliche am Jugendgeschichtsprojekt „Spurensuche“ teil. Ziel von „Spurensuche“ ist es, dass junge Menschen sich mit der regionalen Geschichte ihrer Orte beschäftigen. In den letzten Jahren untersuchten die Rochlitzer Spurensucher*innen erfolgreich die Geschichte der Zwangsarbeit, starke Frauen, VEB Stern Radio und der Hydraulik Rochlitz. Seit zwei Jahren forschen die Jugendlichen gemeinsam mit dem Team des JUGENDladens und der Museumspädagogin des Rochlitzer Schlosses in den alten Schlossgemäuern nach spannenden Geschichten. Ziel ist ein Actionspiel auf dem Schloss und eine Brettspielvariante zu erschaffen. Beide sind an die Spielidee von Exit-Räumen angelehnt. Doch das Jahr 2020 ist kein normales Spurensuchejahr, es ist allgemein kein normales Jahr. In der Zeit des ersten Lockdowns fanden sich die Spurensucher*innen per Videochat zusammen und arbeiteten weiter. Trotzdem konnten die Ziele bisher nicht ganz erreicht werden. Aber die Projektarbeit schreitet voran und es ist Ziel, dass Besucher*innen mit der Schlosseröffnung 2021 endlich das Actionspiel „Castle to Go – Eine Zeitreise auf Schloss Rochlitz“ real spielen können und die Entwicklung des dazugehörigen Brettspieles abgeschlossen ist.

 

Auch der jährliche Höhepunkt des Spurensucheprojektes, die Jugendgeschichtstage im Dresdner Landtag finden dieses Jahr in einer sehr abgespeckten Form statt. Es wird diesmal keine Projektvorstellung durch einen Stand geben. Stattdessen werden die 28 Projekte in einem Kurzfilm vorgestellt. Dazu bekamen die Rochlitzer Spurensucher*innen Besuch von der freien Mediengruppe „Binario Stern“. Kostümiert agierten die Jugendlichen in den Rollen verschiedener Persönlichkeiten an den realen Orten ihres Wirkens. Die Persönlichkeiten finden sich als Hilfekarten in den Spielen und helfen dabei die Zeitreise erfolgreich zu absolvieren.

Wer also gemeinsam mit Hofnarr Hans die Reise durch das Schloss und  durch die Zeit starten mag, kann dies in der nächsten Saison auf Schloss Rochlitz tun.

Neuer Wächterladen entsteht

Auf dem Clemens-Pfau-Platz entsteht im Moment unser neuer Wächterladen, indem ihr ab Frühjahr 2021 unsere Spurensuche Ausstellungen besichtigen könnt. Wir freuen uns sehr darauf.

Castle to Go…Spurensuche in Rochlitz

„Ich muss diesen Rucksack loswerden. Am besten verstecke ich ihn im Fundament des neuaufgestellten Prangers im Schlosshof. In den falschen Händen ist der Rucksack eine wirkliche Gefahr. Die Macht der Zeitreise in den falschen Händen … Nein, das möchte ich mir nicht ausmalen. Ich erinnere mich noch genau, wie es angefangen hat. Ich wollte doch nur mal kurz an diesem runden Ding drehen und mir die Symbole anschauen. Da passierte es. Schwindel, ein Strudel und meine Reise begann…“

Mit diesen Sätzen des Hofnarren Hans nehmen die Rochlitzer Spurensucher*innen die Besucher*innen des Rochlitzer Schlosses mit auf ihre Zeitreise. An der Rezeption des Museums kann der Rucksack von Hans ausgeliehen werden. Mehr Informationen braucht es nicht, alles was notwendig ist findet sich in dem Rucksack. Ziel ist es, wieder in die Gegenwart zu gelangen. Zahlreiche spannende Rätsel warten in einer Spielweise, die am Spielsystem eines Escape-Rooms angelehnt sind. Die Besucher*innen reisen durch die verschiedenen Epochen der tausendjährigen Schlossgeschichte und treffen dabei auf viele historische Personen, die ihnen behilflich sind. Die Jugendlichen schlüpften dafür in Rollen wie „Dedo der Fette“, „Elisabeth von Rochlitz“, „Mönch Siegesmund“ oder „Georg der Bärtige“ und setzten sich mit den geschichtlichen Ereignissen der verschiedenen Epochen auseinander. Gemeinsam mit dem JUGENDladen und der Museumspädagogin Antje Krahnstöver entwickelten sie die Rätsel, sprachen mit Zeitzeug*innen und bastelten am Rucksack. „Castle to Go“ ist ein Spurensucheprojekt des JUGENDladens in Rochlitz. Es platziert sich in einer Reihe von bunten Projekten, die jungen Menschen in Rochlitz wirkliche Beteiligung, kreative Handlungsspielräume und  vor allem eine sinnvolle Freizeitgestaltung bieten soll.

 

Der JUGENDladen setzt auf Teilhabe

Offene Kinder- und Jugendarbeit gibt es in Rochlitz seit 1992 und seitdem versucht der Träger der JUGENDladens, der Muldentaler Jugendhäuser e.V., für die Bedarfe junger Menschen passende Angebote zu schaffen. Waren vor 25 Jahren noch Freizeitbeschäftigungen im eigentlichen Sinne, z.B. Bastelnachmittage, Spielmobil oder Schatzsuchen im Rochlitzer Bergwald, Hauptbestandteil der Arbeit, so wandelten sich die Themenfelder im Laufe der Zeit recht stark. Auch örtlich hat sich die Jugendarbeit zentraler in die Stadt begeben, um so niederschwelliger zugänglich zu sein. Das Team des JUGENDladens setzt heute neben dem täglichen offenen kostenlosen Angebot auf zahlreiche Projekte, welche die Themen der Jugend in die Öffentlichkeit tragen, die Jugendlichen eine aktive Gestaltung ihrer Region ermöglichen und die ihnen alternative Bildungsmöglichkeiten bieten. Als Beispiele dienen Städtreisen in den Ferien, bei denen Gedenkstätten und Museen besucht werden, oder das Graffitiprojekt, bei dem öffentliche Flächen mit Erlaubnis gestaltet werden und die Jugendlichen „Rochlitz bunter machen“. Weiterhin gibt es Projekte in Zusammenarbeit mit den Schulen. Jedes Jahr finden Klassenprojekte zur sexuellen Aufklärung, Gewaltprävention, etc. statt. Der MoRo (Motley Rochlitz – kunterbuntes Rochlitz) ist eine Art Schüler*innenfond, bei dem die Stadt 10.000Euro zur Verfügung stellt, über die die Schüler*innen selbst verfügen. Und jedes Jahr findet ein Benefizkonzert der Rochlitzer Schulen statt, bei dem tausende Euro für einen guten Zweck gesammelt werden. Gemeinsam mit dem JUGENDladen beteiligen sich Jugendliche an Stadtfesten und anderen Veranstaltung und bringen sich kreativ ein. Oder die Umsetzung und Organisation des Juintra (Jugendintegrationsrat) zwischen 2016 und 2017, bei dem junge Menschen mit geflüchteten Menschen, die in Rochlitz untergebracht waren, in Kontakt kamen. Ein Hauptziel der Arbeit des JUGENDladens ist die aktive Beteiligung der jungen Menschen. Spurensuche ist ein perfekt dafür geeignetes Projekt.

 

Spurensuche als fester Bestandteil der Rochlitzer Jugendarbeit

Das Projekt „Castle to go – eine Spurensuche auf Schloss Rochlitz“ reiht sich in ein, in eine Vielzahl von Spurensuche-Projekten des JUGENDladens Rochlitz. Seit 2011 beantragt der JUGENDladen (damals noch Freizeitzentrum „Schlossaue“) derartige Projekte bei der sächsischen Jugendstiftung. Spurensuche hieß damals noch Zeitensprünge. Die Namen haben sich gewandelt, der Inhalt nicht. Es geht darum, dass junge Menschen sich mit der Geschichte ihres Heimatortes befassen, sie kritisch beleuchten, Spuren bewahren und eine engere Bindung zur eigenen Stadt bekommen.

Die sächsische Jugendstiftung hat das Ziel, zivilgesellschaftliches Engagement junger Menschen in Sachsen zu unterstützen. Auf der eigenen Homepage wird Spurensuche wie folgt beschrieben: „Der thematische und inhaltliche Fokus liegt dabei auf dem Erforschen und Erkunden regionaler sowie lokaler, historischer Ereignisse im Rahmen von Jugendprojekten mit schulischer und außerschulischer Anbindung. Im Kern unserer Bemühungen stehen die 24 Projektgruppen, die jährlich im Landesprogramm „Spurensuche“ gefördert werden. Für diese Spurensucherteams organisieren wir Workshops, Projekttreffen und bieten lokale Beratungsrunden an. Als Höhepunkt der Projektarbeit können die jährlich ausgerichteten Jugendgeschichtstage bezeichnet werden, welche in Kooperation mit dem Sächsischen Landtag und anderen Organisationen auf dem Gebiet der Jugendarbeit und der historischen Arbeit ausgerichtet wird. Hier dominieren die Präsentation von Projektergebnissen, die Vernetzung verschiedener Akteure und Organisationen sowie die Diskussion und der fachliche Austausch die Agenda der Veranstaltung.“ (www.saechsische-jugendstiftung.de/kontaktstelle). Als Ziele werden neben der historischen Forschungsarbei auch die Festigung der Heimatbindung, das Aneignen demokratischen Denkens sowie die Kompetenzförderung benannt.

Das Programm „Spurensuche“ der Sächsischen Jugendstiftung wird gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.

In Rochlitz finden Spurensucheprojekte wie bereits erwähnt seit 2011 statt. Dabei waren verschiedenste Themen Inhalt der Forschung und zahlreiche Jugendliche beteiligten sich an den Projekten. Es wurden Stadtrundgänge und Ausstellungen ausgearbeitet, ein Gedenkstein errichtet und inzwischen gibt es sogar einen Spurensucheladen in der Stadt. Spurensuche hat über die Jugendarbeit hinaus in die Öffentlichkeit gestrahlt und sehr sichtbar im Stadtbild.

 

Rochlitzer Spurensucher*innen hinterlassen eigene Spuren

An den zahlreichen Projekten nahmen ganz verschiedene Jugendliche teil. Meist sind sie bereits Besucher*innen des JUGENDladens, manche kommen aber auch erst über die inhaltlichen Themen zum Projekt. Sie besuchen verschiedene Schulen, von der Oberschule, über die Förderschule und Gymnasium, bis hin zu Berufsschulen. Mit Spurensuche kommen die jungen Menschen über Interviews in Kontakt mit anderen Generationen. Sie erleben, wie positiv ältere Menschen dieses Interesse erleben. Durch das selbstständige Erledigen von Aufgaben, steigen die persönlichen Kompetenzen. Genau so positiv wirkt sich das persönliche Vorstellen der Projekte auf Stadtrundgängen, bei den Jugendgeschichtstagen oder im Spurensucheladen. Mit den Projekten haben die Jugendlichen zudem selbst sichtbare Spuren in der Stadt hinterlassen. Spurensuche bewahrt Geschichte vorm verstauben. 

 

2011 – Rochlitz und das Kreisumsiedleramt

Im Jahr 2011 startete die Zeitreise in Rochlitz. Damals noch unter dem Namen Freizeitzentrum „Schlossaue“ bewarben sich junge Menschen gemeinsam mit dem Sozialarbeiter der offenen Kinder- und Jugendeinrichtung beim Projekt Zeitensprünge. Über Gespräche mit einem lokalen Stadthistoriker entstand die Idee für das Thema. So führten die jungen Menschen Zeitzeug*innengespräche und forschten im Kreisarchiv Wechselburg nach Informationen. Bereits in diesem ersten Projektjahr nahm die Gruppe am Sommertreffen von Zeitensprünge teil. Dieses Treffen aller sächsischen Spurensuchegruppe kurz nach den Sommerferien stellt einen zentralen Erfolgspunkt des Projektes dar. In einer Jugendherberge verbringen verschiedene Projektgruppen jedes Jahr ein gemeinsames Wochenende. Die einzelnen Projektinhalte werden kreativ vorgestellt und es wird über anderen Themen, wie z.B. Frieden, Demokratie oder Freiheit gesprochen. Spurensuche geht es also um mehr als die einzelnen Projekte. Über die gesamte Projektlaufzeit werden zahlreiche Werte vermittelt und Kompetenzen geschult. Im November 2011 präsentierten sich die Rochlitzer Spurensucher*innen dann das erste Mal zu den sächsischen Jugendgeschichtstagen im Dresdner Landtag. Damals waren es die sechsten Jugendgeschichtstage. In diesem November nahm der JUGENDladen nun das neunte Mal in Folge teil und präsentierte sich auf den 15. Jugendgeschichtstagen. Im Jahr 2011 nahmen die Jugendlichen zahlreiche Ideen von dem bunten Projektemarkt mit und bereits damals stand der Entschluss fest, „Wir wollen wieder mitmachen.“

 

2012-2015 – Zwangsarbeit in Rochlitz

In den Zeitzeugengesprächen 2011 kam bereits ein neues Thema auf, was die Rochlitzer einige Jahre begleiten sollte. Bis 2012 gab es in der Stadt nicht viel Wissen zu einem Außenlager des KZ Flossenbürg und die über 600 jüdischen Frauen, die in Rochlitz untergebracht waren. Weiterhin waren zahlreiche Soldaten, u.a. aus Frankreich oder der Sowjetunion und viele Zivilist*innen in der Stadt und wurden zur Arbeit gezwungen. Dieser Spur wollten die jungen Menschen folgen. Die meisten Jugendlichen blieben im Projektteam und es kamen auch neue dazu. So war es eigentlich über all die Projektjahre. Ein gewisser Stamm blieb im Team und es kamen immer wieder andere Jugendliche dazu. Einige von ihnen nahmen über fünf Jahre an Projekten teil. Mit dem Thema Zwangsarbeit erreichte das Projekt eine große Aufmerksamkeit in der Stadt. Durch Besuche in den Gedenkstätten Zwangsarbeit Leipzig, Flossenbürg und Wansleben in Sachsen-Anhalt, Forschungsarbeiten im Kreisarchiv und in Gesprächen mit Lokalhistorikern aus Rochlitz, sammelte das Team zahlreiche Informationen, u.a. auch solche, die im Bewusstsein der Stadt bereits verstaubt waren. Schnell entstand die Idee diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die jungen Menschen entwickelten einen Stadtrundgang auf den Spuren der Zwangsarbeit. An der ersten Führung, die die Jugendlichen selbst leiteten, nahmen über vierzig Besucher*innen teil. In der Folgezeit wurde der Stadtrundgang vertont und ist so weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Spurensucher*innen deckten dabei auch einige Einzelschicksale auf. So wandte sich eine Frau an die Jugendlichen, deren Großvater in Rochlitz Zwangsarbeiter war. Das Team begab sich auf die Spuren des französischen Soldaten und übergab so neue Informationen an die Familie. Ein weiteres Erlebnis, welche in jedem Fall bei allen Spurensucher*innen in Erinnerung bleiben wird, ist der Besuch von Agnes Geva. Sie war eine der jüdischen Gefangenen und kehrte nach vielen Jahren zurück in die Stadt. Am Ende des Projektes wurde 2015 ein Gedenkstein in Rochlitz eingeweiht. Dieses erinnert an die jüdischen Frauen und an alle weiteren Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in der Stadt. Insgesamt waren schätzungsweise über 1500 Menschen als Zwangsarbeiter in Rochlitz. Der Gedenkstein entstand in Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe aus Kirche, Geschichtsverein und Stadt Rochlitz. Bei der feierlichen Eröffnung im April 2015 durften Spurensucher den Stein enthüllen.

 

2014 – eine starke Frauengeschichte

Im Jahr 2014 hatten die Rochlitzer Spurensucher sogar zwei Forschungsthemen. Neben der Zwangsarbeit ging eine Mädchengruppe auf die Suche nach starken Frauen in Rochlitz. Neben Elisabeth von Rochlitz, die in der Stadt für die Reformation stritt, suchten das Team weitere starke Frauen, die die Stadt geprägt haben, oder bis heute prägen. Sie suchten vom Kindergarten bis ins Altersheim danach, was stark ist und die führten Interviews mit starken Frauen. In einer großen Ausstellung rund um das Thema Reformation auf dem Schloss Rochlitz wurde der selbst erstellte Film zum Projekt gezeigt. In diesem Jahr engagierte sich der JUGENDladen dafür, dass die bereits entstandenen Ausstellungen nicht in der Mottenkiste verschwinden. Gemeinsam mit der Stadt Rochlitz wurde ein Spurensucheladen gesucht und gefunden. In diesem Laden in der Stadtmitte sind die Ausstellungen dauerhaft sichtbar und der Öffentlichkeit zugänglich.

 

2016-2018 – Industriestandort Rochlitz, die Spuren drohen zu verschwinden

Im Jahr 2016 stand ein thematischer Umbruch an. Viele Rochlitzer*innen sprachen das Spurensucheteam an, dass sie sich wünschen, dass zur Hydraulik oder zum VEB Stern Radio geforscht werden sollte. Diesem Wunsch wollten die Jugendlichen nachgehen. Und so begann 2015 die Forschung zum VEB Stern Radio. Gemeinsam mit einer Gruppe ehemaliger aktiver Mitarbeiter*innen des Betriebes ging man auf die Suche nach den Spuren. Es entstand eine Radiobox, die zeigt, mit wie viel Liebe und Leidenschaft die Arbeiter*innen der Firma tätig waren und mit den widrigen Umständen der Zeit zurechtkamen. Über 1000 Menschen arbeiteten in dem Betrieb, genauso die im VEB Hydraulik, dem Betrieb der in den Jahren 2017 und 2018 Forschungsziel war. Für die Hydraulik wurde ein Buch erarbeitet, in dem an die Geschichten von über 20 ehemaligen Mitarbeiter*innen erinnert wird. Wie sind sie zur Hydraulik gekommen? Wie waren ihre Erfahrungen mit dem System? Wie war die Erfahrung Wende? Zudem bauten die Jugendlichen den Hauptbetrieb als Modell nach. Dieser prägte das Stadtbild Jahrzehnte lang und alle Menschen kannten das Gebäude. Nach dem Abriss 2002 ist dies nur noch Erinnerung und für die Generation der Spurensucher*innen nur auf Bildern nachvollziehbar. Und genau darin liegt eine Stärke von Spurensuche. Den jungen Menschen die Geschichte vor der Haustür sichtbar machen und die Spuren vor dem Verstauben zu bewahren. Dabei entsteht ein Austausch zwischen den Generationen und die älteren Menschen sind begeistert, wenn die Jugendlichen Interesse an der Vergangenheit zeigen. Es entsteht ein Mehrwert für die Menschen, die Jugendarbeit und für die Kommune. 

 

2019 – Castle to Go

Die finstere und lichte Jupe begrüßen die Menschen, wenn sie nach Rochlitz kommen. Die beiden markanten Türme des Schlosses sind Wahrzeichen der Stadt. Das Schloss mit seiner über 1000jährigen Geschichte ist eng mit der Stadt verbunden. Und doch wissen viele Rochlitzer*innen nicht allzu viel über die Schlossgeschichte. In den letzten Jahren hat sich über einige Projekte eine punktuelle Zusammenarbeit mit den Schlosspädagog*innen ergeben. An diesen Projekten waren auch einige der Jugendlichen beteiligt, die den JUGENDladen regelmäßig besuchen und bei Spurensuche mitwirken. So entstand schnell die Idee für ein gemeinsames Projekt. Im JUGENDladen wird oft und gerne das Spiel Exit gespielt und auf den Ferienausfahrten besuchen die Jugendlichen regelmäßig Escape-Rooms. Daraus entstand schlussendlich die Idee selbst so ein Spiel zu entwerfen. Und der Spielort soll das Rochlitzer Schloss sein. Und so begann sie, die Spurensuche durch die Schlossgeschichte.

 

Der Hauptdarsteller – Hofnarr Hans

Zu Beginn erkundeten die Jugendlichen gemeinsam mit der Museumspädagogin Antje Krahnstöver die Räume des Schlosses. Dabei war schnell eine Person gefunden, die sich perfekt für das geplante Spiel eignet. Der Hofnarr Hans brachte mit seinen Späßen die Herzogin Elisabeth von Rochlitz zum Schmunzeln und ist bis heute im Schloss präsent. Er findet sich in zahlreichen Ausstellungsräumen und hilft Kindern über Audiobeiträge die Schlossgeschichte zu verstehen. Das Spurensucheteam beschloss Hans mit den Besucher*innen aus auf eine Zeitreise zu schicken. Auf dieser Reise müssen Rätsel gelöst werden, um gemeinsam mit Hans wieder in die Gegenwart zu gelangen. Dabei treffen die Spieler*innen auf zahlreiche historische Personen vom Mittelalter bis in die heutige Zeit. Sie lernen etwas über die Schlossgeschichte, die Geschichte der handelten Personen und bekommen Hilfestellungen für die anstehenden Aufgaben. Am Museumseingang wird den Besucher*innen ein Rucksack mit verschieden Utensilien überreicht. Diese hat Hans auf seinen Zeitreisen gesammelt und nun helfen sie den Schlossgästen auf der Reise durch die Zeit. Neugierig geworden? Dann lohnt sich ein Besuch auf Schloss Rochlitz! Ab der Saison 2020 können alle Gäste das Spiel auf dem Schloss ausprobieren! https://www.schloss-rochlitz.de/de/startseite/

 

Kreativität, Rästelideen und die Liebe zum Detail

Die Spurensucher*innen setzten sich also zum Ziel, ein Aktivspiel für das Schloss Rochlitz zu entwickeln. Die Arbeit findet wöchentlich statt und ist geprägt von einer hohen Eigenmotivation der jungen Menschen. Spurensuche ist ein freiwilliges Projekt, in dem sich Jugendliche in ihrer Freizeit mit historischen Themen beschäftigen. Die Rochlitzer*innen treffen sich jeden Donnerstag und arbeiten am Projekt. Zu Beginn des Arbeitsprozesses standen zahlreiche Schlossführungen, auf denen sich die Jugendlichen gemeinsam mit den Sozialarbeiter*innen und der Museumspädagogin ein Bild von den verschieden Räumen und Personen auf dem Schloss machten. Erste Rästelideen wurden gesammelt. Dabei ergänzen sich die Projektteilnehmenden durch ihre individuellen Ressourcen und Fähigkeiten. Manche sind künstlerisch begabt, manche sehr kreativ in der Rätselentwicklung oder wie geschaffen für das Schauspiel. Die Jugendlichen schlüpften in die Rollen der historischen Personen, um sie für das Spiel „lebendig“ werden zu lassen.

 

Vom Mittelalter bis in die Neuzeit

Auf der Reise durch die Zeit werden allerdings nicht ausschließlich Epochen aus dem Mittelalter besucht. Die Reise geht bis in die Neuzeit. Die Spurensucher*innen führten Interviews mit Personen, die im Schloss zu DDR-Zeiten den Hort besuchten und sprachen mit der Museumspädagogin über die Rolle des Schlosses in der heutigen Zeit. Und die Spurensuche ist noch nicht beendet. Nachdem das Aktivspiel auf dem Schloss fertiggestellt ist, wollen die Projektteilnehmer*innen eine Brettspielversion entwickeln, welche die Zeitreise, dann auch zu Hause möglich macht. Nach diesem Projektjahr ist eines schon klar, die Rochlitzer Spurensucher*innen wollen auch 2020 weiter nach interessanten Geschichten rund um ihre Heimatstadt suchen.

Jugendgeschichtstage 21.11./22.11.2019

Text folgt...

Unser neuer Wächterladen

Regionales Obst und Gemüse, hausgemachte Leckereien und handwerkliche Besonderheiten - der Regionalmarkt Rochlitz öffnet am 6. April erneut die Tore für alle Interessierten. Auch der Wächterladen des JUGENDladens feiert an diesem Tag Premiere. Hier werden Ausstellungen des Spurensuche-Projektes von Rochlitzer Jugendlichen präsentiert. Die aktuelle Ausstellung dreht sich um die ehemalige Hydraulik in Rochlitz, welche auch schon zu den Jugendgeschichtstagen in Dresden ausgestellt wurde und den Publikumspreis gewann. Der Wächterladen befindet sich direkt am Markt Rochlitz und wird jeden ersten Samstag des Monats parallel zum Regionalmarkt geöffnet haben. Treten Sie ein, wir freuen uns auf Sie und Ihr Interesse zur rochlitzer Geschichte!

 

Die Jugendgeschichtstage 2019

Vom 22. bis zum 23.11.2018 fanden im Dresdener Landtag die Jugendgeschichtstage statt. Über 20 Gruppen aus allen teilen Sachsens präsentierten im Landtag ihre Projekte zum Thema Spurensuche. Spurensuche ist ein Projekt um die Örtliche Geschichte zu entdecken. Die Spurensuchler aus dem Jugendladen Befassten sich in diesem Jahr erneut mit der VEB Hydraulik, ein ehemaliger groß betrieb der Stadt Rochlitz. Am Vortag (22.) Fanden verschiedene Workshops statt. Zentraler Treffpunkt der ganzen Veranstaltung war der Plenarsaal, indem sonst die Landtagsabgeordneten jeden Tag über wichtige Entscheidungen abstimmen. Leider gewann der Jugendladen keinen Preis. Da die Gruppe jedoch im Vorjahr schon gewonnen hatte war das nicht so schlimm.
Fotos von Fotograf Thomas Schlorke und der Sächsischen Jugendstiftung

Es geht wieder los...

Auch in diesem Jahr darf der JUGENDladen Rochlitz am Jugendgeschichtsprojekt „Spurensuche“ teilnehmen.  Die Rochlitzer Spurensucher*innen arbeiten am zweiten Teil ihres Hydraulikprojektes. Nach der Auftaktveranstaltung auf dem Schloss Colditz startet nun die erste Arbeitsphase. Bereits drei Zeitzeug*innengespräche wurden geführt und es gab eine offizielle Eröffnungsveranstaltung für die im vorigen Jahr entstandene Ausstellung im JUGENDladen Rochlitz. Für die Ergebnisse im vorigen Jahr bekamen die jungen Forscher*innen zum Jugendgeschichtstag im Dresdner Landtag den Publikumspreis. In diesem Jahr werden zahlreiche Gespräche folgen mit dem Ziel am Ende ein informatives Fotobuch mit vielen unterschiedlichen persönlichen Eindrücken ehemaliger Mitarbeiter*innen zu erstellen. Mehr über Spurensuche...

 

Die Spurensuche geht weiter...

Seit dieser Woche arbeiten die Rochlitzer Spurensucher wieder an ihrem Hydraulikprojekt. Mit Herrn Wuttke führten wir das erste Zeitzeugengespräch in diesem Jahr. Er unterhielt sich mit den Jugendlichen über seine Arbeit als technischer Planer. Dabei wurde den Jugendlichen verdeutlicht, welche intensive Planung hinter jedem Zylinder steckt. Besonders beeindruckte Herr Wuttke mit seinen Erzählungen zu den großen Projekten in der Dresdner Semperopfer und im Palast der Republik in Berlin. In den folgenden Wochen werden wir weitere Zeitzeugen zu ihren spannenden Geschichten befragen.

Eine Spende sagt mehr als tausend Blumen

Am 09.02. besuchten uns Frau Dorothea Palm und Josefine Müller im Jugendladen und überreichten unserem Spurensucheprojekt einen Scheck in Höhe von 900,00€. Dorothea Palm war langjährige Geschäftsführerin des Heimat- und Verkehrsvereins "Rochlitzer Muldental" e.V.. Zu ihrer Verabschiedung wünschte sie sich ausdrücklich keine Blumen, sondern Spenden für unser Projekt. Der Muldentaler Jugendhäuser e.V., der JUGENDaden Rochlitz und das Spurensucheprojekt Rochlitz sind überaus begeistert von dieser Aktion und möchte Frau Palm, dem gesamten Heimat- und Verkehrsvereins "Rochlitzer Muldental"und natürlich ALLEN Spenderinnen und Spendern für die Unterstützung DANKEN!!! Die Spende besteht aus einer Finanzspende in Höhe von 900,00€ und zahlreichen Sachspenden (eine Schiffsfahrt auf der Talsperre Kriebstein, ein Gutschein über einen Vortrag über Gastronomie/ Hotellerie, ein Infopaket mit Fach- und Infoliterartur zur Geschichtsforschung. Zur feierlichen Übergabe des Schecks führten die jugendlichen Spurensucher ihre Gäste durch die aktuelle Ausstellung zum Thema Hydraulik und sprachen über die bisherigen und für die Zukunft geplanten Aktivitäten zum Thema SPURENSUCHE. Wir empfinden diese Spende als große Ehrung und Würdigung unseres Engagements. VIELEN DANK FRAU PALM! :)

Ausstellungspräsentation am 26.01.2018

Am 26.01. haben wir in den  JUGENDladen Rochlitz zur offiziellen Präsentation unserer aktuellen Spurensucheausstellung eingeladen. Unter dem Thema "Hydraulik Rochlitz - Die Spuren drohen zu verschwinden haben die Jugendlichen unseres Spurensucheprojektes im vergangenen Jahr an dieser Ausstellung gearbeitet. Über zwanzig ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter folgten dem Aufruf. Zudem waren zahlreiche Jugendliche und Gäste anwesend. Sozialarbeiter Marcel Berger eröffnete so vor ca. 50 Gästen den Abend. Auch der Bürgermeister Frank Dehne und Emily Altmann als Vertreterin der Spurensucher begrüßten die Anwesenden. Nach diesem kurzen Einstieg war ausgiebig Raum und Zeit, um Gespräche zu führen, die Ausstellung zu besichtigen und weitere Vorhaben für 2018 zu planen. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Gästen, besonders für die Spenden für unsere Arbeit und wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit. Spurensuche - zusammen stark.

Spannende Geschichten gibt es überall...wir wollen sie entdecken!

Einmal wie Indiana Jones im tiefen Dickicht stöbern. Einmal in alten, verstaubten Akten
kramen. Einmal ältere Menschen befragen, was sie als Kind erlebt haben. Lang vor Eurer Zeit... Spannende Geschichten gibt es überall. Ihr müsst sie nur entdecken. Werdet Forscher und begib Dich mit Deinem Team auf SPURENSUCHE! es geht wieder los...Wir bewerben uns erneut um eine Projektförderung im Rahmen des Spurensucheprojektes :) hier gibts mehr Infos...

Die Rochlitzer Spurensucher bei den Jugendgeschichtstagen

Welche Spuren der letzten Jahrhunderte gibt es in meiner Region zu entdecken? Wie haben meine Eltern ihre Jugend in unserem Ort erlebt? Wie haben sich Menschen für meine Heimat engagiert? Auch in diesem Jahr haben sich 27 Jugendgruppen aufgemacht, um im Rahmen des Jugendprogramms „Spurensuche“ der Sächsischen Jugendstiftung Geschichten in ihren Heimatgemeinden und –regionen zu erforschen. Auf den Jugendgeschichtstagen am 23. und 24. November 2017 im Sächsischen Landtag haben sie ihre Erlebnisse, Neuigkeiten und Erfahrungen ausgetauscht, sind miteinander ins Gespräch gekommen und haben neue Impulse der Jugendgeschichtsforschung erhalten.

Die Jugendgeschichtstage setzen sich immer wieder mit wichtigen gesellschaftlichen Themen auseinander. Das aktuelle Spurensuche-Jahr widmete sich dem für das Zusammenleben unserer Gesellschaft bedeutungsvollen Thema „Freiheit“. Was bedeutete Freiheit damals? Wie lebt sich Freiheit heute? Gemeinsam haben wir uns auch zu den 13. Jugendgeschichtstagen über dieses Thema ausgetauscht.

Der Auftakt fand am Donnerstag, den 23.11.2017, in Form von Bildungsangeboten mit Workshops und Exkursionen statt. Angeboten wurden Workshops mit der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau, ein Zeitzeugengespräch über „Punk sein“ in der DDR und das Spiel „Bürokratopoly“, was die Machenschaften des SED-Regime aufzeigt. Außerdem standen eine „Actionboundtour“, eine Führung durch das Schulmuseum Dresden sowie der Besuch der Ausstellung „Das Gesicht – Eine Spurensuche“ im Hygienemuseum auf dem Programm.

Der Freitag wurde mit einem Zeitzeugengespräch sowie einem Improvisationstheater begonnen und der Nachmittag stand ganz im Zeichen des Projektemarkts. Bei der Erforschung der vornehmlich kleinen, verborgenen Geschichten sind die Spurensucher auf Erstaunliches und Skurriles gestoßen und haben aber auch zu bestürzenden Ereignissen und Einzelschicksalen aus dem Alltag von Menschen im Wandel der Zeiten recherchiert.

Zur Projektemesse, am 24.11.2017 von 13-17 Uhr waren alle interessierten Menschen herzlich eingeladen, um sich selbst ein Bild von den erforschten Schätzen der Jugendgruppen zu machen. Unter anderem sprachen unsere Jugendlichen mit dem Landtagspräsidenten und einer Mitarbeiterin des Sozialministeriums und natürlich mit ganz vielen Besuchern. Am Ende durfen sich unsere Jugendlichen freuen, denn bereits zum zweiten Mal sind sie Träger des Publikumspreises geworden, worüber wir uns alle sehr gefreut haben. Die viele Anstrenung hat sich gelohnt. Nicht allein wegen der Auszeichnung, sondern vor allem durch die vielen gemeinsamen Erlebnisse, die Erfahrungen, die die Jugendlichen sammeln konnten und die tolle Erfahrung, gemeinsam dies geschafft zu haben.

Mehr zu den Jugendgeschichtstagen... und hier gibt es mehr zum Rochlitzer Projekt "Die Spuren drohen zu verschwinden - die Hydraulik Rochlitz"

 

Rochlitzer Spurensucher eröffnen Wächterladen

 

In einem leer stehenden Laden in der Rochlitzer Burgstraße 4/6 ist seit kurzem wieder Leben eingezogen. Das Freizeitzentrum „Schlossaue“ nutzt den ehemaligen Geschäftsraum als sogenannten Wächterladen. In dem Laden werden zwei Ausstellungen der Projektgruppe "Spurensucher" präsentiert. Die jugendlichen Geschichtsforscher beschäftigen sich mit verschiedenen lokalhistorische Themen Dazu gehören u. a. die Präsentationen zum Thema „Starke Frauen“ und "Erinnern an die Zwangsarbeit in Rochlitz".

 

Bereits seit 2012 beschäftigen sich Jugendliche mit der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus. Es war eine glückliche Fügung, dass zum Eröffnungstag des Ladens die Holocaust-Überlebende Renate Kaufmann unter den Gästen weilte. Die heute 78-Jährige wurde in Köln geboren und im Alter von sechs Jahren als jüdisches Kind während des 2. Weltkrieges bei einer deutschen Familie versteckt gehalten. Mit 24 Jahren wanderte Renate Kaufmann nach Amerika aus, seit zwei Jahren lebt sie in Israel. Im Gespräch mit den Jugendlichen des Freizeitzentrums „Schlossaue“ stellte sie die Frage, ob diese sich vorstellen könnten, dass sich die Geschichte des Holocaust jemals wiederhole. Sie fügte hinzu, dass es wichtig sei, den Hass aus den Köpfen der Menschen gegenüber anders Denkenden und anderen Ethnien zu vertreiben.

 

Oberbürgermeister Frank Dehne hatte das Projekt „Wächterladen“ mit auf den Weg gebracht. „Wir müssen aufpassen, dass unser Stadtbild durch verwaiste Geschäfte und unansehnliche Schaufenster nicht weiter an Attraktivität verliert. Unser Ziel ist es, mit den Eigentümern ins Gespräch zu kommen, um hier gemeinsam nach probaten Lösungen zu suchen“, erklärt der OB. Für den Wächterladen zahlt der Trägerverein der „Schlossaue“, der Muldentaler Jugendhäuser e. V., einen Euro Miete plus Nebenkosten. 

 

Für das Projekt Spurensuche ist es toll, sich derart präsentieren zu können. Dadurch verwaisen die Ausstellungen nicht und sind der Öffentlichkeit zugänglich. Und auch das aktuelle Projekt, in welchem zu der Geschichte von Stern Radio Rochlitz geforscht wird, findet seine Umsetzung hauptsächlich im Wächterladen. Die Jugendlich freuen sich sehr über interessierte Besucher. Geöffnet hat der Laden auf Anfrage und Montag 16-18 Uhr, Dienstag 13-15 Uhr und Donnerstag 16-18 Uhr.

 

Hydraulik Rochlitz - Teil meines Lebens

Die Stadt Rochlitz blickt auf eine lange Industriegeschichte zurück. Neben der Hydraulik VEB Elektroschaltgeräte und dem VEB Stern Radio, war der dritte Großbetrieb der VEB Orsta-Hydraulik Rochlitz. Mit diesem Projekt möchten wir unser Vorhaben fortsetzen, einen Überblick über diesen Industriebetrieb zu erarbeiten, der Fokus richtet sich dabei auf die noch lebenden Zeitzeugen. Deren individuelle Erinnerungen sollen ein Beitrag zur nachhaltigen Bewahrung der Stadtgeschichte beigetragen.

 

Wir möchten unsere "Trilologie" fortsetzen indem wir diesen Teil der Nachkriegsindustriegeschichte mit jugendlichen Engagement noch intensiver  aufarbeiten und die Erkenntnisse im Stadtbild etablieren. Die persönlichen Erinnerungen der Menschen und die Erstellung eines Stadtrundgangs, der sich mit dem Vorgängerprojekt "Stern Radio"-Projekt verknüpft, stehen im Mittelpunkt. Alles reiht sich in unsere vergangenen Spurensucheprojekte ein und erweitert das Angebot unserem Spurensucheladen. Hier können alle Ausstellungen dauerhaft gezeigt werden, Stadtrundgänge beginnen und Zeitzeugengespräche geführt werden. Weiterhin werden wir Ideen sammeln, wie man auf dem ehemaligen Fabrikgelände an die Vergangenheit erinnern könnte.

Für viele Rochlitzer ist "die Hydraulik" ein Begriff, der bist heute nachhallt. Diese Erinnerungen möchten wir bewahren und zeigen, wie die Menschen ihre Stadt in der Vergangenheit gesehen haben. Wir wollen vergleichen, wie sich der Blick auf die Stadt zu heute unterscheidet. Damals haben die meisten Menschen direkt in der Stadt gearbeitet, heute gibt es keine vergleichbare Industrie in der Stadt. Wir möchten den jungen Menschen zeigen, dass sich das Leben vor ca. 50 Jahren in Rochlitz maßgeblich anders abspielte und auch Berufsleben eine andere Bahn nahmen. Es handelt sich um eine Fortsetzung des letztjährigen Projektes. Das hat den Grund, da es inzwischen noch einige Zeitzeugen gibt, die gerne mit den jungen Forschern ins Gespräch kommen wollen. Diese Gespräche waren im letzten Jahr der eigentliche Gewinn der Spurensuche.

 

Wir arbeiten bereits seit 2011 im Rahmen von "Spurensuche"-Projekten an der Rochlitzer Stadtgeschichte. Neben dem Kreisumsiedleramt, waren das Gedenken an die Zwangsarbeit sowie starke Frauen in Rochlitz bereits Themen. Seit 2016 beschäftigen wir uns mit der Rochlitzer Industriegeschichte nach dem zweiten Weltkrieg. Immer wieder sind wir in Zeitzeugengesprächen auf das Thema Hydraulik gestoßen. So gab es den Entschluss, uns näher mit den ehemals drei großen Industriebetrieben  der Stadt zu beschäftigen. Teil eins war das Projekt "VEB Stern Radio". Seit dem letzten Jahr forschen wir zu der Hydraulik, in der hydraulische Zylinder für verschiedene Maschinen hergestellt wurden.

Wir traten mit ehemaligen Arbeiterinnen und Arbeitern in Kontakt und entdeckten so ein buntes Bild von dem Betrieb. Inzwischen haben wir noch einige weitere Zeitzeugen gefunden, die mit uns ins Gespräch kommen wollen. Das Thema wird aktuell diskutiert und die Menschen haben viel zu berichten. In diesem Jahr stehen also zahlreiche Zeitzeugengespräche an und wir planen ein Fotobuch zu erstellen, in dem die persönlichen Erinnerungen dauerhaft aufbewahrt werden.
Wie im vergangenen Jah treten wir auch mit den Mitgliedern des Rochlitzer Geschichtsvereins in Kontakt. Hier scheinen noch zahlreiche Informationen und Potential auf uns zu warten. Auch die Stadt Rochlitz, insbesondere der Oberbürgermeister hat ein Intresse an Zusammenarbeit. Die Geschichtslehrer_innen der Schulen werden die Ergebnisse wieder in den Unterricht einbauen. Wir werden in der Außenstelle des Kreisarchives nach Akten und Zeitungsartikeln suchen. Vielleicht können wir versuchen in Nachfolgeunternehmen der Hydraulik mehr über den Betrieb herausfinden. Wenn wir einen Stadtrundgang entwickeln, kann dieser interessierten Menschen einen Einblick in diesen Teil der Stadtgeschichte liefern.

Am Ende des Arbeitsprozesses soll auch unsere Ausstellung erweitert sein. Hier können sich Besucher einen Überblick über die Geschichte des Betriebes holen und im Modell des Hauptwerkes alles unsere Zeitzeugen am Ort ihres Schaffens wiedertreffen.  Die diesjährigen Arbeitsergebnisse sollen anschaulich eingeflechtet werden und die Jugendlichen wieder kreativ tätig sein. Der geplante Stadtrundgang soll die einzelnen Elemente der Industriegeschichte verknüpfen und zu einem Rundgang an die historischen Orte vereinen.

Ein weiteres Ziel wird sein, unsere zahlreiche Produkte aus der ehemaligen Produktion für die Dauerausstellung im Spurensucheladen zu erweitern und so eine bunte Ausstellung zu präsentieren.

Das Projektjahr wird mit der Zusammenstellung der Gruppe beginnen. Viele der letztjährigen Spurensucher werden wieder mitmachen. Die Jugendlichen werden dann schnell Kontakt zu Zeitzeugen_innen aufnehmen und weiter historisch belegbare Fakten sammeln. Wieterhin werden wir an der Ausstellung arbeiten und versuchen einen Stadtrundgang gemeinsam mit den Zeitzeugen zu erstellen und umzusetzen.

„Die Spuren drohen zu verschwinden – Die Hydraulik Rochlitz“

Auch in diesem Jahr begeben sich junge Rochlitzer Spurensucherinnen und Spurensucher auf die Reise in die Vergangenheit ihrer Stadt. Nachdem wir im vergangenem Jahr bereits zu Stern Radio, einem der größten ehemaligen Arbeitgeber, geforscht haben, beschäftigt uns in diesem Jahr der zweite große Industriebetrieb. Die Hydraulik Rochlitz beschäftigt fast 2000 Menschen in verschiedenen Standorten und in fast jeder Familie finden sich ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir haben unsere Forschungsgruppe ein wenig neu aufgestellt. Nachdem einige Jugendliche wegen Arbeit und Lehre leider ausscheiden mussten, konnten wir einige junge Schülerinnen und Schüler neu für das Projekt interessieren. Zum internationalen Museumstag  auf dem Schloss Rochlitz eröffneten wir das diesjährige Spurensuchejahr. Dazu haben wir zu einer Gesprächsrunde geladen. An der regen und spannenden Diskussion  nahmen zahlreiche ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Susanne von der Jugendstiftung, der Bürgermeister der Stadt Rochlitz, eine historische Mitarbeiterin des Schlosses und natürlich alle jungen Spurensucherinnen und Spurensucher teil. An diesem Tag stellten wir zudem unsere älteren Projekte vor und thematisierten das Thema FREIHEIT mit einer Mitmachaktion. Mit Herrn Ladegast haben wir einen sehr aktiven Zeitzeugen, der die Jugendlichen bei den wöchentlichen Treffen unterstützt und uns sehr viele spannende Kontakte organisiert. So haben wir bereits einiges Anschauungsmaterial von Zeitzeugen erhalten und können an unserer Ausstellung arbeiten. In den wöchentlichen Treffen geht es nun darum, gemeinsam mit den Zeitzeugen einen Überblick über das Arbeitsleben in der Hydraulik zu erarbeiten. Dazu führen die Jugendliche Gespräche mit Zeitzeugen, basteln an einem Modell und sichten Material. Dies alles passiert in unserem Wächterladen, der ein zentraler Anlaufpunkt für das Spurensucheprojekt ist.

 

Museumstag 2017

"Spurensuche. Mut zur Verantwortung!" so lautet das diesjährige Motto des internationalen Museumstages

 

Rochlitzer Jugendliche, welche sich im Freizeitzentrum "Schlossaue" des Muldentaler Jugendhäuser e.V. am Jugendgeschichtsprojekt "Spurensuche" beteiligen, präsentieren ihre Arbeiten zum internationalen Museumstag am 21.05.2017 auf dem Schloss Rochlitz. Das Jugendprogramm „Spurensuche“ ist ein Programm der Sächsischen Jugendstiftung und wird gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz.

Mut zur Verantwortung - die Rochlitzer Spurensucher übernehmen diese Verantwortung. In ihrer Freizeit forschen sie zu lokalhistorischen Themen der Stadt Rochlitz. Am Ende eines Projektjahres werden die Ergebnisse auf den sächsischen Jugendgeschichtstagen im Landtag präsentiert. Durch die Arbeiten der vergangenen Jahre sind Ausstellungen zu verschiedenen Themen entstanden. Neben den „starken Frauen“, dem Kreisumsiedleramt und den VEB Stern Radio stand die Zwangsarbeit in der Muldestadt im Fokus. Drei Jahre begaben sich die Jugendlichen auf die Spuren dieser dunklen Seite der Stadtgeschichte, fanden viel Neues heraus, kamen mit Zeitzeug*innen und ehemaligen Zwangsarbeiter*innen ins Gespräch und wirkten mit an der Entwicklung eines Gedenkortes. Dieses Projekt, dessen Thema einer besonderen Verantwortung unterliegt, da wir diese Fakten der Rochlitzer Historie auf keinen Fall vergessen dürfen, steht im Mittelpunkt des Museumstages. Die Spurensucher bieten den Besucher*innen die Möglichkeit sich die Ausstellung "Zukunft braucht Erinnerung - Gedenken an die Zwangsarbeit in Rochlitz" zu besichtigen und gemeinsam ins Gespräch zu kommen.

Weiterhin wird der Museumstag die Startveranstaltung für das aktuelle Projekt "Die Spuren drohen zu verschwinden - Die Hydraulik Rochlitz" sein. Es werden Zeitzeugen eingeladen und gesucht, welche sich an diesem Tag zu einer Gesprächsrunde mit den Jugendlichen treffen. Dabei wird auch das Thema Freiheit eine Rolle spielen. Was bedeutete Freiheit für jede*n Einzelnen, wie wurde sie erlebt und gelebt? Was hatte Freiheit für Auswirkungen vor und nach der Wende? Die Gesprächsrunde findet am 21.05. um 11.00Uhr im Schloss statt.

Außerdem startet das Fotoprojekt "Rochlitz - durch meine Augen". Auch hierfür soll der Tag die Gelegenheit bieten, Kontakte zu Besuchern herzustellen, die Lust haben bei diesem generationsübergreifenden Projekt mitzuwirken. Ziel ist es mit Fotos die unterschiedlichen Blickwinkel auf unsere Stadt zu zeigen.

Die Jugendlichen des Spurensucheprojektes kümmern sich in ihrer Freizeit auch um die Integration von Rochlitzer Jugendlichen, die geflüchtet sind. So werden am Museumstag auch Bewohner des Rochlitzer Wohnprojektes mitwirken und auch eine eigene Aktion vorbereiten.

 

Jugendgeschichtstage 2016
Jugendgeschichtstage 2016

Am 21.05. nehmen die Spurensucher*innen der Schlossaue am Museumstag auf dem Schloss Rochlitz teil. Die Jugendgeschichtsgruppe hat beim Programm Spurensuche einen Antrag zum Thema "Hydraulik Rochlitz - die Spuren drohen zu verschwinden" gestellt und einen positiven Bescheid bekommen. Damit kann die Arbeit beginnen, die im November mit den Jugendgeschichtstagen im Dresdner Landtag endet. Zum Museumstag werden die Rochlitzer Spurensucher*innen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen einladen, die etwas zur Hydraulik berichten können. Ziel des Projektes ist die Bewahrung der Erinnerung dieses Teils der Rochlitzer Stadtgeschichte und vor allem der persönlichen Erinnerungen der Menschen.

 

Spurensuche 2016

Auch 2016 gehen Rochlitzer Jugendliche auf Spurensuche in ihrer Stadt. Am 21. und 22.04. haben Vertreter der Jugendforschergruppe an der Eröffnungsveranstaltung von SPURENSUCHE auf dem Schloss Colditz teilgenommen. Spurensuche ist ein Jugendprogramm der Sächsischen Jugendstiftung mit dem zivilgesellschaftliches Engagement junger Menschen in Sachsen unterstützt wird. Der thematische und inhaltliche Fokus liegt dabei auf dem Erforschen und Erkunden regionaler sowie lokaler, historischer Ereignisse im Rahmen von Jugendprojekten mit schulischer und außerschulischer Anbindung. Das Programm „Spurensuche“ wird im Rahmen des Landesprogramms „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ und durch das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz gefördert.

Die Rochlitzer Spurensucher wollen sich in diesem Jahr mit der Geschichte von "Stern Radio" auseinandersetzen. Unsere Stadt Rochlitz blickt auf eine lange Industriegeschichte zurück. Neben der Hydraulik, VEB Elektroschaltgeräte und dem VEB Orsta-Hydraulik, war der dritte Großbetrieb der VEB Stern Radio Rochlitz. Mit diesem Projekt möchten die Spurensucher beginnen, einen Überblick über die Industriegeschichte der Stadt nach dem zweiten Weltkrieg zu erarbeiten. Dabei sollen die noch lebenden Zeitzeugen befragt und so einen Beitrag zur nachhaltigen Bewahrung der Stadtgeschichte beigetragen werden. Wer uns Informationen und Hinweise zukommen lassen kann, wird gebeten, sich über die "Schlossaue" zu melden.

Ziel des Projektes ist eine kleine Ausstellung zum Thema und ein eigener Nachbau eines Stern Radios. Höhepunkt wird die Präsentation des Projektes zu den Jugendgeschichtstagen im November sein.

Zukunft braucht Erinnerung - Rochlitz gedenkt der Zwangsarbeit

 

Über 250 Menschen nahmen am 15.04.2015 an der festlichen Einweihung des Gedenkortes Zwangsarbeit in Rochlitz teil. Bereits um 9 Uhr trafen sich die meisten von ihnen am Bahnhof, um zu einen Marsch des Lebens durch die Stadt zu starten. Die Teilnehmenden liefen dabei auch auf den Spuren der Zwangsarbeit. Sie folgten bewusst den Wegen, die viele der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gehen mussten. Weiterlesen…

 

Zeitensprünge Sachsen

 Zwangsarbeit in Rochlitz

 

 

In der Zeit des Nationalsozialismus mussten in der Stadt Rochlitz wohl mehr als 1.500 Menschen Zwangsarbeit leisten. Dies taten sie in den verschiedensten Arbeitsfeldern von der Landwirtschaft, über private Haushalte, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen bis hin zur Firma Mechanik Rochlitz GmbH, die in der Rüstungsindustrie tätig war. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen waren dabei sehr unterschiedlich. In der Stadt gab es ab 1944 ein Außenlager des KZ Flossenbürg, in dem 603 jüdische Frauen untergebracht waren und für die Mechanik arbeiten mussten. Außerdem verwaltete die Mechanik Rochlitz GmbH das KZ Außenlager Wansleben.

 

Vom Bahnhof, an dem diese Menschen ankamen, über den Vater-Jahn-Sportplatz, auf dem sich das Werk 2 der Mechanik Rochlitz GmbH befand und von wo die Teilnehmenden auf der gegenüberliegenden Muldeseite das ehemalige Umschulwerk und Außenlager der KZ Flossenbürg an der Waldheimer Straße sehen konnten, ging es über die Muldenbrücke, auf der Rochlitz zwischen dem 14. und 15.04.1945 seine Befreiung durch Einheiten der US-Armee erlebte, führte der Marsch zum Gedenkort an der Ecke Seminarstraße/ Poststraße. Dort hatten sich bereits weitere Interessierte eingefunden, um an der festlichen Veranstaltung teilzunehmen. Der Ort ist mit Bedacht gewählt. Auf dem gegenüberliegenden Gelände, wo heute das Muldecenter zu finden ist, befand sich bis zur Weltwirtschaftkrise in den 20iger Jahren die Rochlitzer Weberei, im dritten Reich fungierten die Hallen als NS-Motorsportschule sowie Werk 1 der Mechanik Rochlitz GmbH und nach dem Krieg als Hydraulik.

 

Der "Marsch des Lebens"steht für:

 

1. Erinnern:Aufarbeitung der Vergangenheit, Holocaustüberlebenden und anderen Zeitzeugen eine Stimme zu geben

 

2. Versöhnen:Heilung und Wiederherstellung zwischen den Nachkommen der Täter- und Opfergeneration

 

3. Zeichen setzen:Für Israel und für ein unüberhörbares "Nie wieder!" gegen den Antisemitismus unserer Zeit

 

 

Nähere Informationen auf der Homepage: www.marschdeslebens-rochlitz.de

 

 

Mit Glockengeläut der Rochlitzer Kirchen begann um 11 Uhr die feierliche Enthüllung des Gedenksteines. Die Rochlitzer Oberbürgermeisterin begrüßte die Anwesenden. In Ihrer Rede erinnerte sie an die Schicksale der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Sie nahm Bezug auf die Inschrift der Bronzeplatte und den jüngsten Diskussionen um die Unterbringung von Flüchtlingen und Asylsuchenden. „Wir leben seit 70 Jahren in Frieden und für dieses Gut sind wir verantwortlich.“Sie dankte allen Unterstützern des Vorhabens "Gedenkstein" und erläuterte die Wichtigkeit der historischen Aufarbeitung der Stadtgeschichte. Als symbolisches Zeichen verneigte sich Frau Arndt vor den Menschen, die in Rochlitz Zwangsarbeit leisten mussten.

 

Mit Herrn Ruwim Bakmansprach anschließend ein Holocaustüberlebender der jüdischen Gemeinde Chemnitz. Er betonte, wie froh er ist, dass sich so viele Menschen zusammengefunden haben, um zu Gedenken und zu Erinnern. Er wünschte uns allen ein Leben im Frieden, ohne Krieg. Als dritter Redner sprach der Rochlitzer Pfarrer, Ragnar Quass. Er erwähnte die schuldbeladene Rolle der Kirche und bat um Vergebung für die riesige Schuld der Vorväter. Zum Abschluss sprach er das Gebet von Coventry. Musikalisch begleitet wurde der festliche Akt durch Bläser der Musikschule Rochlitz.

 

Die Enthüllung des Gedenkstein übernahmen Jugendliche des Geschichtsprojektes "Zeitensprünge". Die Zeitenspringer Julius Lehmann und Valentin Leißner sprachen anschließend Dankesworte und erklärten, dass ihre Gedenkarbeit an diesem Punkt keinesfalls zu Ende sei. Mit der Vertonung ihres Stadtrundgangs zum Thema Zwangsarbeit in Rochlitz (die Audioguides werden in Touristeninformation verfügbar sein) sowie einer aktuelle Homepage zur Thematik wird Rochlitz einen nachhaltigen Beitrag zum Gedenken leisten. Weiterhin riefen die Beiden den Geschichtskurs der elften Klassen des Johann-Mathesius-Gymnasiums nach vorn. Die Schüler stellten Pflanzen zum Stein, als Zeichen dafür, dass der Geschichtskurs in den kommenden Jahren die Pflege des Gedenkortes übernehmen wird.

 

 

Rochlitzer Zeitenspringer auf Spurensuche

 

Seit 2012 beschäftigen sich Schüler_innen verschiedener Rochlitzer Schulen, begleitet von Sozialarbeiter_innen des Freizeitzentrums "Schlossaue" des Muldentaler Jugendhäuser e.V., im Rahmen des Jugendgeschichtsprojektes "Spurensuche" mit der Thematik Zwangsarbeit in Rochlitz. Im ersten Jahr wurden zahlreiche Erkenntnisse über Zeitzeugengespräche, Archivrecherchen und Gedenkstättenbesuche gesammelt. 2013 folgten der Besuch der ehemaligen Zwangsarbeiterin Agnes Geva, die Ausarbeitung einer Ausstellung sowie die Premiere eines themenbezogenen Stadtrundganges. 2014 begannen die Zeitenspringer eine Homepage zu erstellen und beteiligten sich an der Planung des Gedenkstein.

 

Das Förderprogramm "Zeitensprünge in Sachsen" ist eine Initiative der sächsischen Jugendstiftung und des sächsischen Staatsministeriums für Soziales. Die geförderten Projekte befassen sich mit "Weltgeschichte, Landesgeschichte und der lokalen Geschichte des Heimatortes -- Geschichte kann äußerst spannend sein, erst recht, wenn sie sich vor der eigenen Haustür abspielt. Allerdings geraten viele Geschichten über die Vergangenheit in Vergessenheit, Zeitzeugen sterben, die Quellen verstauben. Gerade für die Jüngeren unter uns ist es deshalb wichtig, Geschichte immer wieder neu zu ergründen und sie lebendig zu halten."(www.saechsische-jugendstiftung.de)

 

 

 

Nach der offiziellen Einweihung folgte die Gelegenheit für individuelles Gedenken. Blumen und Kränze wurden niedergelegt und die Anwesenden unterhielten sich über das Erlebte. Viele von ihnen folgten der Einladung zum weiteren Austausch und Gesprächen in den Südgarten des Gymnasiums. Die Zeitenspringer hatten ihre Ausstellung aufgebaut und standen für Fragen zum Thema Zwangsarbeit und zum Projekt bereit.

 

Mit dem Setzen des Gedenksteins leisten die engagierten Menschen der Interessengemeinschaft "Gedenkstein" einen großen Anteil bei der geschichtlichen Aufarbeitung. Lokale Historiker vom Geschichtsverein und Menschen aus den Kirchgemeinden beschäftigen sich seit Jahren mit diesem Teil der Rochlitzer Geschichte . Durch die Forschung der Jugendlichen des Zeitenspringerprojektes sowie dem Besuch der ehemaligen Zwangsarbeiterin und Holocaustüberlebenden Agnes Geva kam neuer Schwung in die Bemühungen an die Zwangsarbeit zu erinnern. So entwickelte sich in den letzten vier Jahren eine immer konkretere Vorstellung und mit der Gründung der Interessengemeinschaft "Gedenkstein" wurde 70 Jahre nach Kriegsende ein Gedenkort Realität.

 

Der Porphyrstein, der nun im Herzen von Rochlitz an einen der dunkelsten Teile der Stadtgeschichte erinnert, richtet sich mahnend in die Vergangenheit und blickt gleichzeitig wegweisend in die Gegenwart und Zukunft. Die kompakte und naturbelassene Form des Steines inspiriert zum gemeinsamen Gedenken und zur Verarbeitung der Geschehnisse.

 

 

UPDATE Zeitensprünge 10. April 2014

 

Das Zeitensprüngeteam zum Thema "Zwangsarbeit in Rochlitz" trifft sich 14-tägig und arbeitet momentan an einer Homepage zum Thema und der Vertonung des Stadtrundgangs. Außerdem gibt es momentan konkrete Planungen zu dem Gedenkort.

 

Das Zeitensprüngeteam zum Thema "100 Jahre starke Frauen in Rochlitz" war heute zur Eröffnungsveranstaltung in Dresden und wird sich immer mittwochs 16 Uhr in der Schlossaue treffen.

 

Wir sind sehr glücklich und fühlen uns geehrt auch, in diesem Jahr bei "Zeitensprünge Sachsen" mitforschen zu dürfen. Besonderer Dank gilt dabei allen Menschen, welche uns auf unserer Reise begleitet, betreut und unterstützt haben.

 

Das Förderprogramm "Zeitensprünge in Sachsen" ist eine Initiative der Stiftung "Demokratische Jugend" und des "Sächsischen Staatsministeriums für Soziales".

Die geförderten Projekte befassen sich mit "Weltgeschichte, Landesgeschichte und der lokalen Geschichte des Heimatortes -- Geschichte kann äußerst spannend sein, erst recht, wenn sie sich vor der eigenen Haustür abspielt. Allerdings geraden viele Geschichten über die Vergangenheit in Vergessenheit, Zeitzeugen sterben, die Quellen verstauben. Gerade für die Jüngeren unter uns ist es deshalb wichtig, Geschichte immer wieder neu zu ergründen und sie lebendig zu halten." (www.saechsische-jugendstiftung.de)

 

Im Rahmen unserer Förderung erhielten wir ein Starterset mit zahlreichen Utensilien, eine finanzielle Unterstützung, um unsere Vorhaben zu realisieren und eine inhaltliche Begleitung. Zudem konnten wir bei inhaltlichen Fragen stets auf die Hilfe des Zeitensprüngeteams zählen, durften ein gemeinsames Workshopwochenende unternehmen und am Sommertreffen sowie den Jugendgeschichtstagen teilnehmen. An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich dafür bedanken. Zeitensprünge ist 'ne tolle Sache!

 

Ein Jahr Zeitensprünge-Projekt zum Thema Zwangsarbeit in Rochlitz! Hier ist unser Zwischenergebnis...wir wollen weiterforschen...

Plakat zum Thema Zwangsarbeit in Rochlitz (zum Vergrößern bitte anklicken)
Plakat zum Thema Zwangsarbeit in Rochlitz (zum Vergrößern bitte anklicken)

Spannender Jugendgeschichtstag im Dresdner Landtag!

 

Am 22.11. war es soweit, die Rochlitzer Zeitenspringer stellten ihr Projekt "Zwangsarbeit in Rochlitz" beim Jugendgeschichtstag in Dresden vor. Bereits Wochen im Vorfeld bastelten wir gemeinsam ein Modell unseres Stadtrundgangs und verfilmten diesen. Zudem haben wir nun bereits zwei Aufsteller und zwei Plakate, welche unser erforschtes Wissen anschaulich wiedergeben.

So ging es nun am 21.11. nach Dresden, wo wir nach einer Begrüßung im Landtag, an verschiedenen Workshops teilnehmen durften. Für uns waren der Besuch des alten jüdischen Friedhofs und eine Führung durch die Gedenkstätte im ehemaligen Stasiknast die spannendsten Angebote. Am Abend hatten wir noch Zeit unseren Stand aufzubauen, bevor wir gemeinsam mit den anderen Zeitenspringern bis in die Nacht herein "Die Werwölfe von Düsterwald" spielten.

Der Freitag begann mit einer Eröffnung durch den Landtagspräsidenten und einer anschließenden Podiumsrunde zum Thema "Sinnvolles Gedenken - wie können auch Jugendliche in Gedenkarbeit einbezogen werden". Nach einer Improvorstellung der FreienSpielKultur Dresden begann der Projektemarkt im Landtag.

Über 20 Projekte stellten ihre Ergebnisse vor und über 160 Jugendliche waren vor Ort. Die Bandbreite der Projekte ging vom Karnevalsjubiläum, alten Spielen, Leben auf einem Bauernhof, Erforschung von Straßen bis hin zu Geschichten aus dem Nationalsozialismus. Es gab ein Quiz, bei dem an jedem Stand Fragen beantwortet werden mussten und es gab eine Publikumsabstimmung.

Bei. Abschlussgespräch gab es dann für uns mehrfach Grund zum Feiern. Zunächst gewannen Hieu und Julius beim Quiz und dann durften wir den zweiten Platz in der Publikumswertung mit nach Hause nehmen.

Ein gelungener Abschluss von Zeitensprünge 2013.

Die Zeitenspringer haben bei ihrem ersten Treffen nach den Jugendgeschichtstagen das Kubb-Spiel ausprobiert. Das Spiel war der Preis für den zweiten Platz in der Publikumswertung bei den Jugendgeschichtstagen in Dresden.